minpic01.jpg

Andreas Beier

Apfelscheiben

Schnellere CD- und DVD-ROM-Laufwerke am Macintosh

Kaum zu glauben, aber wahr: Das schnellste CD-ROM-Laufwerk in der Apple-Preisliste kostet weit über 700 Mark. Der PC-Händler um die Ecke verlangt für ein schnelleres Laufwerk weniger als ein Drittel. Allerdings benötigt der Macintosh-Anwender dafür spezielle Treiber, doch mit ein wenig Selbsthilfe läßt sich das Geld dafür auch noch sparen.

Unterthema: Apple CD-ROM-Treiber patchen
Unterthema: CD-Treibersoftware für den Macintosh
Unterthema: Benchmarks

Besitzer älterer CD-ROM-Laufwerke haben Grund genug für ein Upgrade. CD-ROMs der ersten Generation schicken Daten nur mit 150 KByte pro Sekunde auf die Reise zum Rechner. Bei den neuesten Geräten geschieht dies bis zu 40mal schneller. Mit dieser Transferrate von maximal 6000 KByte pro Sekunde reduziert sich selbst die Wartezeit beim Laden komplexer Action-Spiele auf ein erträgliches Maß.

Ältere CD-Leser haben oft Probleme mit dem digitalen Auslesen von Musik-CDs. Um diese CDs ohne lästigen Zwischenschritt über eine Image-Datei `on the fly´ mit einem CD-Brenner kopieren zu können, muß das Laufwerk die Titel schneller auslesen können, als sie der Brenner schreibt. Die Hersteller empfehlen gar, die Brenngeschwindigkeit auf die halbe Lesegeschwindigkeit zu begrenzen.

Die Brenner selbst können noch nicht mit mehr als 24facher Geschwindigkeit lesen. Wer hohe Übertragungsraten benötigt oder ein CD-ROM intensiv nutzen möchte, sollte lieber zu einem reinen Lesegerät greifen. Abnutzungen an der Mechanik des Schreib-/Lesekopfes wirken sich auf die Schreibgenauigkeit aus. Die beschriebenen Medien sind dann möglicherweise nicht in anderen Geräten lesbar.

Auch die wiederbeschreibbare Compact Disk, die CD-RW, stellt betagte CD-Leser vor unlösbare Aufgaben, da diese Scheibe das Laserlicht schlechter als eine fabrikgepreßte CD reflektiert. Erst moderne MultiRead-fähige Laufwerke ab der 24X-Klasse kommen auch mit CD-RWs zurecht.

DVD-ROMs übertreffen mit 4,7 GByte Kapazität CD-ROMs um ein Vielfaches. Um sie zu benutzen, bedarf es eines neuen DVD-ROM-Lesers. Diese Laufwerke lesen aber auch CD-ROMs.

Für wiederbeschreibbare DVD-RAM-Medien sind mittlerweile auch die passenden Laufwerke erhältlich. Ein solches Gerät schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: es liest CD- und DVD-ROMs und eignet sich mit den 5,2 GByte großen DVD-RAM-Medien durchaus für Backups. Auch dieses Laufwerk sollte man nicht als CD-Leser überstrapazieren. Das externe DVD-RAM-Laufwerk von LaCie haben wir in c't 25/98, Seite 182, unter die Lupe genommen.

SCSI oder ATAPI?

Die ersten CD-Laufwerke für den Macintosh waren Geräte mit SCSI-Schnittstelle. Erst mit den Einsteigermodellen der Performa-Serie hielt die ATAPI-Schnittstelle Einzug in die Macintosh-Welt. Mittlerweile verbaut Apple selbst in den High-End-Rechnern diese Geräte. Für den Anwender macht es keinen Unterschied, ob das CD-ROM sich über eine SCSI- oder eine ATAPI-Schnittstelle mit dem Macintosh unterhält. Die Handhabung ist in beiden Fällen identisch. Für ATAPI sprechen der geringere Preis und die größere Auswahl an Modellen. Die SCSI-Variante läßt sich dagegen in ein externes Gehäuse packen und kann so leicht von Rechner zu Rechner transportiert werden. Einen Geschwindigkeitsvorteil kann keine Variante für sich verbuchen.

Im Gegensatz zum SCSI-Bus, an den sich bis zu sieben Geräte gleichzeitig anschließen lassen, bieten IDE-Controller nur zwei Kanäle mit zwei Anschlußmöglichkeiten pro Kanal. Am Macintosh kommt erschwerend hinzu, daß erst die neuen Power Macs G3 ab Revision 2 der Hauptplatine zwei Geräte pro Kanal unterstützen, also insgesamt vier IDE-Geräte. Alle anderen Macs akzeptieren nur ein Gerät pro Kanal. An einem Kanal hängt in der Regel die Festplatte, am anderen das CD-Laufwerk.

In der Praxis bedeutet dies, daß ein neues ATAPI-Laufwerk in einem alten Macintosh nur dann in Frage kommt, wenn das eingebaute aufs Altenteil geschickt wird. Möchte man dies nicht, oder sind sowieso alle internen Einbaumöglichkeiten belegt, hilft eine externe Lösung auf SCSI-Basis weiter. Auch für einige ältere Macintosh-Modelle, die einen speziellen Einbausatz benötigen, ist dies durchaus eine Alternative. Hier empfiehlt es sich, zu einem günstigen Komplettpaket zu greifen. Es lohnt sich preislich kaum, ein solches Gerät selbst zusammenzubasteln. Zu einer Komplettlösung gehört in der Regel das Gehäuse nebst SCSI-Kabel, ein Terminator sowie Software, so daß einem die Suche nach einem geeigneten Treiber erspart bleibt.

Treibgut

Das MacOS bringt standardmäßig Software zum Betrieb von CD-ROMs mit. Seit Version 5.2 kann die Systemerweiterung `Apple CD-ROM´ neben einigen SCSI-Laufwerken auch mit beliebigen ATAPI-Lesern umgehen. Die letzte Version dieses Treiber hieß 5.4.2 und gehörte zu MacOS 8.1. Die Erweiterung `Apple DVD-ROM 1.0´ von MacOS 8.1 dient ausschließlich der Steuerung von ATAPI-DVD-ROMs. Für MacOS 8.5 faßte Apple die CD- und die DVD-Erweiterungen zum `Apple CD/DVD Treiber 1.01´ zusammen. Damit lassen sich beliebige ATAPI-CD- und DVD-ROMs sowie von Apple verbaute SCSI-Leser am Mac betreiben.

Zum Betrieb eines Modells mit ATAPI-Schnittstelle genügt der Apple-Treiber also vollauf. Ein vorhandenes ATAPI-Gerät kann man einfach austauschen, die Software kommt auf Anhieb damit zurecht. Möglicherweise paßt die Frontblende des Gehäuses nicht mehr zum neuen Laufwerk, da hilft dann aber nur der Einsatz von Hardware wie Säge oder Feile weiter. Selbstverständlich kann man die Blende ganz weglassen, das sieht nicht schön aus, tut der Funktion aber keinen Abbruch.

Wer noch kein MacOS 8.1 auf seinem Rechner einsetzt, kann trotzdem in den Genuß der Version 5.4.2 des Treibers kommen. Das Update gibt es kostenlos im Internet [4]. Um an den CD-Treiber zu gelangen, muß man es nicht einmal installieren. Es genügt, mit dem Utility TomeViewer [5] den Treiber aus der Datei `Tome 1´ zu extrahieren. Lauffähig ist der Treiber ab System 7.1 und einem 68030-Prozessor. Eine PowerPC-CPU ist nicht erforderlich, da der Treiber gar keinen PowerPC-Code enthält.

Mit der Unterstützung von SCSI-Lesern sieht es beim Apple-Treiber dagegen schlecht aus - er übersieht ihm unbekannte Geräte einfach. Eine Ausnahme ist die Treiberversion 5.3.1 [3] von System 7.6. Ihr generischer SCSI-Treiber arbeitet auch mit Laufwerken zusammen, die Apple nicht verbaut hat. Allerdings handelt es sich um keine perfekte Lösung. Bei manchen Geräten, so zum Beispiel beim Pioneer DR-U06, funktioniert das manuelle Hin- und Herspringen zwischen den Titeln einer Audio-CD nicht. Das sequentielle Abspielen aller Titel klappt dagegen ebenso wie das digitale Auslesen der Musikstücke.

Mit dieser Einschränkung kann man sowohl den Apple CD-ROM-Treiber 5.4.2 als auch den CD-DVD-Treiber 1.01 mit ein wenig Handarbeit für beliebige SCSI-Geräte dienstbar machen. Eine genaue Anleitung geben wir im Kasten `Apple CD-ROM-Treiber patchen´.

Sparkünstlern steht noch ein weiterer Weg offen. Startet man nämlich den Rechner mit einer startfähigen CD im Laufwerk, so lädt das System automatisch den CD-Treiber von der Silberscheibe, startet aber wie gewohnt von dem im Kontrollfeld `Startvolume´ festgelegten Gerät. Eine startfähige CD, wie zum Beispiel die MacOS-8.1-CD, bringt in einer Treiberpartition einen eigenen Treiber mit, der sich auch nicht vor unbekannten Laufwerken ziert. Diese Methode funktioniert sogar, wenn man beim Starten mit gedrückter Umschalttaste (Shift) alle Erweiterungen deaktiviert. Unkomfortabler Nachteil dieser Methode ist, daß man vor dem Ausschalten des Rechners nicht vergessen darf, die richtige CD für den nächsten Start einzulegen. Ansonsten ignoriert das MacOS das Laufwerk.

Drittware

Mehrere Software-Hersteller füllen mit eigenen SCSI-Treibern die Lücke des MacOS. Bis auf FWB verzichten alle Hersteller auf einen ATAPI-Treiber - verständlich, bringt diesen das MacOS doch selbst mit. Die kommerziellen Treiber bieten neben der Unterstützung für unzählige Laufwerke noch etliche weitere Merkmale. Im täglichen Einsatz profitiert man am meisten von der Cache-Funktion. Sie speichert einen Teil der Daten von der CD auf Festplatte oder im Hauptspeicher zwischen, um bei Bedarf schneller darauf zugreifen zu können. Besonders das Öffnen von Ordnern im Finder beschleunigt sich damit merklich.

minpic04.jpg

Nur die Cache-Einstellungen kann man bei den SpeedTools ändern.

Das CD-ROM Toolkit von FWB läßt sich durch sogenannte Device Files neue Laufwerke beibringen; die anderen Lösungen erfordern dazu ein Programm-Update. Nur das Drive Tuneup von den Software Architects hat einen PowerPC-nativen Treiber, in den Geschwindigkeitsmessungen schlug sich diese Tatsache aber nicht nieder.

minpic03.jpg

Das CD-ROM Toolkit läßt sich flexibel konfigurieren.

Im Umgang mit den Hybrid-CDs überbieten zwei der kommerziellen Programme den Apple-Treiber ebenfalls. Solch eine CD umfaßt neben einem Macintosh-Teil im HFS-Format auch einen ISO-9660-Teil, wie ihn Windows-PCs benutzen. Neben dem CD-ROM Toolkit mounten auch die SpeedTools von Intech beide Teile. Der Apple-Treiber kommt zwar mit reinen ISO-CDs zurecht, von Hybrid-CDs zeigt er aber nur den Macintosh-Teil auf dem Schreibtisch an, der ISO-Part bleibt unsichtbar.

Unterm Strich

Die Apple-Treiber sind besser als ihr Ruf. Sie kamen mit allen ATAPI-Laufwerken zurecht, die wir willkürlich aus unserem Redaktionsfundus ausgewählt haben. Sowohl die universelle Version 5.3.1 als auch die gepatchten Treiber bedienten auch die SCSI-Leser - mit der genannten Einschränkung. Bei den Geschwindigkeitsmessungen liegen die MacOS-eigenen Treiber ebenfalls gut im Rennen. Die Konkurrenten aus dem kommerziellen Lager profitieren beim Kopieren von Dateien nicht von ihrem Cache, bei diesem Test zählt nur die reine Treiberperformance. Klarer Vorteil bei ihnen: man kann sich beim Hersteller vor dem Kauf informieren, ob das auserkorene Laufwerk unterstützt wird. Das sollte man unbedingt tun - dann ist man vor unliebsamen Überraschungen sicher.(adb)

Literatur
[1] Bernd Behr, Rollenwechsel, DVD-ROM-Laufwerk oder CD-Drive, c't 15/98, S. 58

[2] Bernd Behr, Mit 40 Sachen, Die ersten CD-ROM-Laufwerke der 40X-Generation, c't 15/98, S. 58

[3] ftp://ftp.euro.apple.com/Localised_Software_Updates/Germany/Peripherie/Apple_CD-ROM_D-5.3.1.sit.hqx

[4] ftp://ftp.apple.com/Apple_Support_Area/Apple.Software.Updates/German/Macintosh/System/Mac_OS_8.1_Update/D-Mac_OS_8.1_Update.smi.bin

[5] http://www.heise.de/ct/ftp/spezial.shtml, tomevwr.hqx

Kasten 1


Apple CD-ROM-Treiber patchen

Sowohl Version 5.4.2 der CD-ROM-Software aus MacOS 8.1 als auch die brandaktuelle Ausgabe aus MacOS 8.5 lassen sich mit ein wenig Byte-Pfriemelei per ResEdit zur Zusammenarbeit mit Apple-fremden SCSI-Laufwerken bewegen. Die jeweilige Systemerweiterung (`Apple CD-ROM´ bis MacOS 8.1, ab MacOS 8.5 `Apple CD/DVD-Treiber´) enthält zwei Ressourcen vom Typ `DRVR´, die die eigentliche Treibersoftware enthalten - der Treiber mit der ID 32 kümmert sich um SCSI-Laufwerke, der mit ID 33 um die ATAPI-Pendants.

Anders als `Drive Setup´ alias `Laufwerke konfigurieren´ wurden dem Treiber keine separaten Konfigurationsressourcen mitgegeben, die ihm sagen, mit welchen Laufwerken er wie umzugehen hat. Die Information über die unterstützten Laufwerke haben die Programmierer direkt in den Programmcode eingebaut - alles andere als optimale Voraussetzungen für Anpassungsversuche.

Dennoch sind lediglich drei Bytes zu ändern, damit sich der Treiber nicht mehr ziert, Apple-fremde SCSI-CD-ROMs zu bedienen. Öffnen Sie hierzu die Treiberressource ID 32 über den Menüpunkt `Open Using Hex Editor´ im Menü `Resource´. Bei Version 5.4.2 ändern Sie an den Offsets $6B6 und $9CA den Wert von $67 auf $66 und am Offset $9C6 von $66 auf $67. Im CD/DVD-Treiber 1.01 von MacOS 8.5 liegen die entsprechenden Bytes bei den Offsets $6C8 und $A1A sowie $A16. Achten Sie darauf, daß die Länge der Ressource konstant bleibt.

Der Apple DVD-ROM-Treiber 1.0 aus MacOS 8.1 steuert nur ATAPI-DVD-Laufwerke an, die Anpassung an SCSI-DVD-Geräte ist deshalb nicht möglich. Beim CD/DVD-Treiber von MacOS 8.5 ebnet der Patch sowohl für SCSI-CD- als auch für SCSI-DVD-ROMs den Weg.

Mit dem gepatchten Treiber liest das MacOS auch CDs in DVD-RAM-Laufwerken und CD-Brennern. Zum Schreiben muß man aber nach wie vor spezielle Software bemühen, zum Beispiel DVD-RAM-Tuneup von den Software Architects oder Adaptec-Toast für CD-Brenner.

minpic02.jpg

Auch ResEdit-Laien dürften mit den Änderungen keine Probleme haben.

Denken Sie daran, mit ResEdit immer an Kopien zu arbeiten. Das Programm besitzt die unangenehme Eigenschaft, Änderungen sofort abzuspeichern. Nur wenn man beim Schließen einer Datei die Frage, ob Änderungen gesichert werden sollen, verneint, stellt ResEdit den Originalzustand wieder her. Stürzt der Ressourceneditor vorher ab, muß man Änderungen von Hand rückgängig machen.

Leider ist die gepatchte Version nicht ohne Fehl und Tadel: wie mit der Treiberversion 5.3.1 können Probleme beim Abspielen von Audio-CDs auftreten, und von Apple verbaute Laufwerke, die der Original-Treiber akzeptiert, werden ignoriert. Es dürfen aber beide Treiber gleichzeitig installiert sein; der ungepatchte kümmert sich um die Apple-Laufwerke, die modifizierte Version um alle anderen Geräte.

Wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten Sie für den Fall, daß der gepatchte Treiber sich nicht mit dem neuen Laufwerk verträgt, vor dem Kauf mit Ihrem Händler ein Rückgaberecht vereinbaren. Möglicherweise gibt es ja auch in Ihrem Bekanntenkreis jemanden, der das anvisierte Gerät bereits besitzt, so daß Sie es ausprobieren können.

Kasten 2


CD-Treibersoftware für den Macintosh

Name Apple CD-ROM 5.3.1 Apple CD-ROM 5.4.2 Apple CD/ DVD-Treiber 1.0.1 CD AutoCache 1.2 CD/DVD-Drive Tuneup 2.0 CD-ROM Toolkit 3.02 CD-ROM SpeedTools 3.9.2
HerstellerApple ComputerApple ComputerApple ComputerCharisMacSoftware ArchitectsFWB Inc.Intech
VertriebInternet [3]Internet [4]MacOS 8.5InternetDisc Direct GmbH Prisma Express Internet
Telefon0 72 48/91 11 000 40/6 573 40
Internet-Adresse http:// www.apple.com www.apple.com www.apple.com/macos/ www.charismac.com/Products/CDAutoCache/ www.softarch.com www.fwb.com www.intechusa.com/CDInfo.html
Support-EMail---support@charismac.comsupport@softarch.comsupport@fwb.comsupport@intechusa.com
PowerPC-nativ----+--
ATAPI/SCSI-Geräte+/++/++/+-/+-/++/+-/+
Multi-SessionCDs+++++++
Hybrid-CDs HFS/ISO 9660 +/- +/- +/- +/- +/- +/+ +/+
Cache---++++
Preis kostenlos kostenlos mit MacOS-8.1-Update 199 DM (für MacOS 8.5) 79,95 US-$ 99 DM 119 DM 19,95 US-$

Kasten 3


Benchmarks

mnqpic01.jpg